#Wuppertal: Raus aus der „Wohlfühlzone“! Den Rechten das Feld nicht überlassen!

Am 21. Mai fand am Otto-Böhne-Platz das erste öffentliche Treffen der Eisbrecher Wuppertal statt, nach der Wiedergründung einige Wochen zuvor. Hierbei sei am Rande erwähnt, dass Teile der Gruppe sich bereits einige Monate zuvor in die Anti-Repressionsarbeit eingebracht und die mutmaßlichen Besetzer*Innen der Marienstraße 41 solidarisch unterstützt haben.

Utopia

Bei dem ersten offiziellen Treffen wurden viele Dinge diskutiert; eines der wichtigen Themen war, wie wir die politische Arbeit aus der sogenannten„Wohlfühlzone“ der Elberfelder Nordstadt in andere Stadtteile tragen können. Das nächste Treffen findet am 30. Mai, 20:00 Uhr im Wirtschaftswunder, Wiesenstraße 17 in Wuppertal statt.

Dieser Artikel ist kein Protokoll des Treffens, sondern soll lediglich versuchen ein Stimmungsbild wiederzugeben. Aber vorab: Die Hausbesetzung am 19. Mai in Bochum hat viele inspiriert. Solidarische Grüße an die Besetzer*Innen in der Hernerstraße 131 in Bochum!

Die meisten der Teilnehmer*Innen des Treffens wohnen in der Elberfelder Nordstadt, trotzdem gab es eine lebhafte Diskussion über die Fixierung auf „unseren“ Stadtteil.

Anhand von einigen Reaktionen auf unsere Einladung für das erste Treffen und einer Wahlanalyse der NRW Landtagswahlen mit Zahlen aus Wuppertal auf „Politik in der Rechtskurve“, gab es einen Konsens, dass wir unsere politische Arbeit auf andere Stadtteile ausdehnen müssen, wenn wir den Rechten das Feld nicht überlassen wollen.

Wir wollen hierbei speziell Menschen ansprechen, mit denen wir gemeinsam regelmäßige Präsenz in den Stadtvierteln zeigen, Projekte ausarbeiten und Aktionen durchführen wollen.

Genannt wurden u.a. Barmen und Ostersbaum. Aber es wurde auch über andere Stadtteile gesprochen. Es wurden einige Arbeitsgruppen gegründet, die anfangen werden, die geäußerten Ideen auszuarbeiten. Die Teilnehmer*Innen würden sich freuen über mehr Beteiligung und Zusammenarbeit mit Menschen, die in anderen Stadtteilen von Wuppertal leben, damit die Projekte zusammen aufgebaut werden können.

Gesprochen wurde auch über das Konzert des kroatischen Fascho-Rockers Thompson, das am 04. Juni im „Apollo 21“ in Wuppertal stattfinden soll. Es gibt einen offenen Brief an das „Apollo 21“ und die Stadt Wuppertal und eventuelle Gegenmobilisierungen sollen bald angekündigt werden.

Auch diskutierten wir einige Themen, an denen die Eisbrecher vor ihrer Auflösung vor zwei Jahren gearbeitet haben. Genannt wurden u.a. die wöchentlich stattfindende Polit-Kneipe im AZ, Refugees Welcome Aktionen, Unterstützung des Antifaschismus in der Ukraine während der Maidan-Besetzung, Soli-Veranstaltungen für Can Vies in Barcelona, die Solidarisierung mit der Besetzung der Marien41 und die No-Primark/Döppersberg-Kampagne.

Einige der damaligen Themen wurden positiv bewertet, andere aber auch kritisch gesehen. So hat die No-Primark/Döppersberg-Kampagne viel Energie gekostet und ist völlig verpufft. Was die Marienstraße 41 betrifft, gab und gibt es nach wie vor vieles zu sagen. Die Besetzungen und die Aktionen rundum die Besetzung wie z.B. der Leerstandspaziergang mit reger Beteiligung der Nachbarschaft, aber auch das Nachbar*Innentreffen wurden insgesamt positiv gesehen. Der Kampf gegen Leerstand, Spekulation und für ein soziales Stadtteilzentrum ist aber noch nicht vorbei und wir brauchen eine bessere Vor- und Nachbereitung. Bei der Nachbereitung ist es wichtig eigene EA-Strukturen aufzubauen und auch Anti-Repressionsarbeit muss in Angriff genommen werden.

Neben dem Aufbau eigener EA-Strukuren und Anti-Repressionsarbeit, wurde auch über Anti-Knast-Arbeit gesprochen. Für diese Themen wurde auch eine Arbeitsgruppe gegründet.

Für September, kurz vor den Wahlen, wurde von verschiedenen Gruppen über eine große, antirassistische Demo in Berlin nachgedacht. Es sollen die verschiedenen Flüchtlingshelferinitiativen vernetzt und mobilisiert werden. Wir können uns vorstellen, dass das großes Potential bietet, da viele der „unpolitischen“ Helfer, die aus rein humanistischen Gründen helfen, nun anfangen, die Abschiebepolitik in Frage zu stellen. Des weiteren beobachten wir das Art Hotel in Wuppertal, da es dort mehr und mehr Menschen gibt, die akut von Abschiebung bedroht sind. Abschiebungen sind aber auch außerhalb vom Art Hotel ein Thema für immer mehr Geflüchtete in Wuppertal (und dem gesamten Bundesgebiet) und damit natürlich auch für uns.

Wir haben auch über Kommunikation und Diskussionskultur gesprochen. Dabei ging es sowohl um eine schnelle Kommunikation für kurz-,mittel- und langfristige Interventionen und Aktionen, als auch um die Art und Weise, wie wir miteinander reden. Stichwort Kultur der Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Offenheit, das Eingestehen von Schwächen und Fehlern, ohne von der Gruppe bestraft oder sanktioniert zu werden. Der Punkt war für viele in der Gruppe wichtig und es wurde dann auch beschlossen dieses Thema intensiver zu bearbeiten und kontinuierlich bei jedem Treffen darauf zu achten, dass eine angenehme und offene Diskussionskultur herrscht. Bei dem Treffen funktionierte dies schon ganz gut. Trotz teilweise sehr verschiedener Meinungen war es selten nötig moderierend einzugreifen. Zu keinem Zeitpunkt wurde das Gespräch laut oder unfreundlich. Die Diskussion insgesamt war sehr sachlich. Alle Teilnehmer*Innen wünschen sich weniger persönliche Konflikte in politischen Gruppen und mehr sachliche Diskussionen über Inhalte.

Auch wurde über unsere Medienarbeit diskutiert. Außer der Online-Präsenz, wurde auch über eine Massenzeitung gesprochen. Verteilt werden soll diese Zeitung in den Stadtteilen, in denen AfD & co bei der Landtagswahl viele Stimmen bekommen haben. Die Verteilung soll vor der Bundestagswahl stattfinden.

Über konkrete Aktionsideen werden wir euch bald informieren, davor werden wir aber noch einige Diskussionen über Taktiken und Strategien führen. Diese Diskussion wird die Aktionsideen beeinflussen und deswegen wird es keine Schnellschüsse geben. Da viele der Anwesenden auf dem Treffen vor 2 Jahren noch nicht dabei waren, wird auch an einem neuem Manifest gearbeitet. Was sind unsere Ziele? Mit wem? Und mit wem nicht?

Das nächste öffentliche Treffen findet am 30. Mai, 20:00 Uhr im Wirtschaftswunder, Wiesenstraße 17 in Wuppertal statt.

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