#Wuppertal: Nach knapp zwei Jahren, lösen sich die Eisbrecher auf

eisbrecherkleinVor etwa zwei Jahren hatten einige Wuppertaler Aktivist*innen die Idee, eine neue Gruppe zu gründen, womit sie sich in verschiedene Kämpfe einbringen wollten. Die Gruppe bekam den Namen Eisbrecher Wuppertal. Der Name symbolisierte eines der Ziele, das sich die Aktivist*Innen gesetzt hatten. Das Aufbrechen der rassistischen und kapitalistischen Verhältnisse, aber auch das Durchbrechen von alten, verkrusteten Strukturen. Teile der lokalen Strukturen wurden von den Akttivist*innen als in sich geschlossen und abgekapselt empfunden. Die Gruppe sollte ein halb-offene Struktur bekommen, damit sich auch neue Leute einbringen konnten. Die Eisbrecher benutzten dafür u. a. diverse soziale Medien und es wurde oft zu offenen Treffen eingeladen, die in verschiedenen Orten stattfanden. Zu diesen Locations gehörten immer mal wieder auch öffentliche Plätze wie z. B. der OttoBöhnePlatz. Nun, nach knapp zwei Jahren, lösen sich die Eisbrecher auf. Die Aktiven nehmen eine Umstrukturierung vor und arbeiten daran, sich effektiver zu organisieren. Wir sind der Meinung, dass wir dies besser ohne das Label Eisbrecher Wuppertal tun können. 

Die Eisbrecher verstanden sich als anti-kapitalistische und antirassistische Gruppe und brachten sich in diverse Kämpfe ein. Neben Aktionen wurden auch viele Info-Veranstaltungen in diversen Locations in Wuppertal organisiert. Eine der ersten Veranstaltungen behandelte die spanische 15MBewegung, mit Gästen aus Madrid und Brüssel, wo auch die Bedeutung und die Benutzung sozialer Medien für soziale Bewegungen diskutiert wurde. Es sollten noch viele Veranstaltungen folgen, nicht zuletzt, weil die Eisbrecher vor etwa einem Jahr im Wuppertaler Autonomen Zentrum die Politkneipe eröffneten. Die Politkneipe fand jeden Dienstag im AZ statt und behandelte sehr viele verschiedene Themen. Außerdem wurde am Ende jeder Politkneipe das jeweilige behandelte Thema in einer offenen Runde diskutiert. Es waren vor allem diese offenen Diskussionen innerhalb, wie auch außerhalb des AZ, die oft sehr erfrischend waren und uns stets neue Impulse lieferten.
Die Eisbrecher organisierten eine Soli-Kampagne für den Wiederaufbau des geräumten, teils zerstörten und dann wieder zurück eroberten Sozialzentrums Can Vies in Barcelona, wie auch einige Demonstrationen und Kundgebungen, die sich mit verschiedenen Themen, wie z. B. dem der Flüchtlingspolitik der EU beschäftigten. Eine der ersten, von den Eisbrechern organisierten Demonstrationen, richtete sich gegen die Unterstützung der Bundesregierung für faschistische Gruppen und Parteien in die Ukraine. Für diese Demo wurde u. a. intensiv mit Genoss*innen aus Frankfurt zusammengearbeitet, aber auch mit lokalen Gruppen, wie beispielsweise dem Soli-Komitee. In vielen Städten gab es nur wenige AntifaGruppen, die sich mit diesem Thema zu der Zeit auseinandergesetzt haben. Die Gruppe mit ihrer halb-offenen Struktur nutzte ihre Medien-Kompetenzen nicht nur, um sich lokal schnell einbringen zu können, sondern auch um für überregionale und bundesweite Demonstrationen und Aktionen zu mobilisieren. 
Neben der schon genannten Zusammenarbeit mit Aktivist*innen des Soli-Komittees, aus Frankfurt und Barcelona wurde auch mit Aktivist*innen aus Wuppertal (u. a. von der Karawane), aber auch mit Menschen aus anderen Städten in NRW und sogar bundesweit zusammengearbeitet. Schon bei der Gründung der Gruppe wurde über ein soziales Zentrum diskutiert. Hierbei wurde an ein Zentrum gedacht, welches sich in den Stadtteil einbringen sollte und in dem u. a. ein selbstverwalteter Info-Laden entstehen sollte, aber auch ein RefugeeWelcomeCenter seinen Platz finden sollte. Aktivist*innen diverser Gruppen unterstützten diese Idee. In der Marienstraße stand ein Gebäude seit Jahren leer und war bis März 2015 Teil eines Immobilienpakets. Diverse Versuche von verschiedenen Akteuren, das Haus zu kaufen oder zu mieten, waren gescheitert, da der Besitzer jenes Haus nur als Spekulationsobjekt missbraucht hatte. Es war das ideale Gebäude um die Eigentumsfrage zu stellen. Im Jahr 2014 wurde dieses Haus, die Marienstraße 41, zweimal von einer Gruppe von Aktivist*innen besetzt. Die Polizei räumte beide Male noch am gleichen Abend. Es gab einiges an Organisatorischem, was bei diesen beiden Besetzungen nicht optimal gelaufen ist, wodurch die Beteiligten jedoch viel dazulernen konnten. Zeitgleich enstand eine enorme Dynamik, die Aktionen, wie einen Leerstandsspaziergang auf dem Wuppertaler Ölberg und ein Nachbarschaftstreffen mit reger Beteiligung auf dem Otto-Böhne-Platz, zufolge hatte. Die Auseinandersetzung für ein Sozialzentrum und RefugeeWelcomeCenter sind trotz allem immer noch am Anfang und noch nicht beendet. Daran wird auch die Auflösung der Eisbrecher nichts ändern, denn diese Auseinandersetzung wurde von Anfang an von mehreren Gruppen getragen. Auch wenn der Kampf für ein soziales Zentrum von mehreren Gruppen geführt wurde und wird, bekamen die Eisbrecher auf einmal großen Zulauf. Zu den offenen Treffen kamen immer mehr Menschen, was zwar erfreulich war, aber auch neue Fragen und Schwieri
gkeiten aufwarf. Die Gruppe wuchs dadurch sehr schnell, vielleicht sogar zu schnell. Zuerst wurde dies gar nicht wahrgenommen und erkannt, aber darauf kommen wir später noch zurück.
Nach den ersten Auseinandersetzungen um ein soziales Zentrum in der Wuppertaler Nordstadt brachten die Eisbrecher sich u. a. bei NoHoGeSa-Aktivitäten ein, was u. a. zufolge hatte, dass einige der Aktivist*innen massiv aus HoGeSa Kreisen bedroht wurden. Manchmal ging es dabei nur um abstrakte Bedrohungen gegen mit Nicknames versehene Twitter-Accounts oder FacebookSeiten, einer der Aktivist*innen jedoch wurde mit Foto und Namen durch HoGeSa Nazis direkt bedroht. Einige von uns hatten dies im Hinterkopf als im April der Angriff seitens HoGeSaNazis auf unseren Freund vor dem AZ stattfand. Wir gehen bis jetzt davon aus, dass es zwischen den oben genannten Bedrohungen und dem Angriff keine direkte Verbindung gibt, dennoch wurde durch den Angriff erneut unterstrichen, wie gefährlich Nazi-Hools sind und wie wichtig es ist, den Kampf gegen das HoGeSaNetzwerk und andere Nazis fortzusetzen. 
Etwa zwei Monate vor dem Angriff auf unseren Freund entschieden sich die Eisbrecher sich in die NoPrimarkKampagne einzubringen. Für uns ging es dabei nicht nur um eine verkürzte Kampagne gegen Primark, wir thematiserten in Artikeln, Aufrufen und auf Info-Veranstaltungen auch die Rolle von anderen Textilkonzernen hier und im Trikont. Auch ging es uns wieder um die Eigentumsfrage. Wem gehört die Stadt? Für den Bau einer neuen Primark Filiale hatte die Stadt Wuppertal öffentlichen Raum an den privaten Investor Signature Capital Ltd. für n Appel und n Ei verkauft. Auch die Ablehnung der Stadtspitze, ein Bürgerbegehren zu organisieren, nachdem die Initiative Döpps 105 die benötigten Unterschriften dafür gesammelt hatte, spielte eine Rolle für die Eisbrecher. Die Stadtspitze hatte damit den Menschen, die in Wuppertal wohnen, eines der wenigen Mittel, mitentscheiden zu können, genommen. Es wurde mit diversen Gruppen zusammengearbeitet und die Stadtspitze wurde anscheinend immer nervöser. Zumindest wurde zunehmend Druck auf einzelne Aktivist*innen ausgeübt. Gleichzeitig wurde immer deutlicher, dass die Gruppe zu schnell gewachsen war und so wurden die Schwächen der offenen Struktur immer deutlicher. Die Gruppe wurde zwar fürs Auge immer größer, aber die meiste Arbeit für die Kampagnen wurde überwiegend durch nur wenige Menschen erledigt. Es übernahmen nur einige wirklich Verantwortung und die Kampagne wurde dementsprechend von zu wenigen Leuten getragen. Die Aktiven kamen immer mehr an ihre Grenze und wurden zunehmend überfordert. So konnten sie die Kampagne nicht gestalten, wie die Gruppe es sich eigentlich gemeinsam während diverser Plena vorgenommen hatte. Als dann in der Vorbereitungszeit der Angriff durch HoGeSa Nazis auf unserem Freund statt fand, war die Gruppe, wie viele andere Wuppertaler Gruppen auch, erstmal mit diesem Angriff und den Folgen beschäftigt. 
Direkt nach dem Angriff auf unseren Freund, wurden Einige Opfer von Repressionen. Laut Presseberichten ermittelte die Polizei wegen eines Briefes von NoPrimark Aktivst*innen an die Stadtspitze. Aber auch im Zusammenhang mit dem Angriff auf unseren Freund gab es Repressionen unterschiedlichster Art. Auch gegen sehr junge Menschen. 
Am 25. April 2015 fand schließlich der ShoppenStoppenAktionstag statt. Der Aktionstag wurde zwar nicht das, was wir am Anfang angestrebt hatten, aber Alles in Allem war es unter den gegebenen Umständen ein einigermaßen gelungener Aktionstag.  Die Vorbereitung des Aktionstages hatte aber bereits die Grenzen der offenen Struktur der Gruppe aufgezeigt und es waren vor allem diese Grenzen, die uns dazu bewogen haben, die Eisbrecher aufzulösen. 
 
Nachdem die Gruppe schnell größer geworden war, wurde es zunehmend schwierig inhaltliche politische Diskussionen zu führen. Es wurde sogar mehrmals von einigen Menschen dafür votiert, Inhaltliche Diskussionen nicht weiter zu führen. Auch das Thema Haltung im Sinne von Grundeinstellung wurde mehrmals diskutiert und auch hier konnte nicht immer ein Konsens erreicht werden, was von Teilen der Eisbrecher als schwierig empfunden wurde. Auch dies trug wesentlich zu der Auflösung der Gruppe bei. 
Leider ist es uns nur teilweise gelungen, die alten, verkrusteten Strukturen aufzubrechen und wieder mehr Dynamik in die linke Szene Wuppertals zu bringen. Das Verhältnis zu anderen Aktiven im AZ war sehr unterschiedlich. Mit einigen Aktiven entwickelte sich ein guter Austausch und auf bestimmten Gebieten auch eine gute Zusammenarbeit. Mit anderen war das deutlich schwieriger oder sogar so gut wie unmöglich. Da beschränkte sich die Zusammenarbeit auf das Notwendigste, z. B. wenn es um organisatorische Angelegenheiten ging, wie solche, die das AZ betrafen und sein Erhalt an der Gathe, wie auch Widerstand gegen NaziAufmärsche zu organisieren. Wir wollen hiermit keine Schuldzuweisungen machen, sondern denken, dass allen Akteuren im AZ diese Situation bekannt ist und sind uns darüber im Klaren, dass auch wir unseren Anteil daran haben, dass die Zusammenarbeit mit einigen im AZ nicht immer reibungslos gelaufen ist. Dennoch halten wir es nach wie vor für wichtig, dass bestimmte verkrustete Strukturen aufgebrochen werden müssen um mehr Menschen mit einzubeziehen und um sich mit autonomer Politik auseinanderzusetzen. Autonome Politik soll unserer Meinung nach auch außerhalb vom AZ stattfinden und viele ehemalige Eisbrecher werden deshalb ihren Weg sowohl inner- als auch außerhalb des Autonomen Zentrums fortsetzen.
Alles in Allem wurde zwar einiges von dem was wir uns vorgenommen hatten nicht erreicht, aber die Aktivitäten der Eisbrecher haben in Wuppertal trotzalledem eine neue Dynamik in diverse lokale Kämpfe gebracht. 
Wir werden noch viel über die gemeinsame Zeit diskutieren und wollen weiter davon lernen und zehren, damit wir in Zukunft besser aufgestellt sind und uns weiterhin in diverse Kämpfe einbringen können.
Vieles in dieser Erklärung wurde nur kurz angesprochen. Der Text würde zu lang werden, auf alle Geschehnisse der vergangenen knapp zwei Jahre ausführlich einzugehen und viele Diskussionen und langfristige Aktionen sind auch noch nicht abgeschlossen. Die Eisbrecher als halb-offene Struktur wird es so nicht mehr geben, dennoch wird es weitergehen. Es wird weiterhin Info-Veranstaltungen von Aktivisten geben. Diese Veranstaltungen werden aber in unterschiedlichen Locations stattfinden und von verschiedenen Gruppen durchgeführt werden. Es wird auch weiterhin verschiedenste Aktionen geben, nicht mehr unter dem Label Eisbrecher, aber durch verschiedene wechselnde Zusammenschlüsse von Aktivist*innen und Gruppen. Themen, die weiterhin eine Rolle spielen werden, sind u. a. die Flüchtlingskämpfe, die AntifaArbeit und der Kampf für ein soziales Zentrum und ein RefugeeWelcomeCenter in unserer Stadt, wie auch überall sonst!
Die Aktivisten der ehemaligen Eisbrecher rufen darum auf, sich an folgenden Aktivitäten zu beteiligen:
03. Juni 2015 – 08. Juni 2015   Stop G7 Bayern (Mehr Informationen: http://www.stop-g7-elmau.info/ )
03. Juni 2015 – 08. Juni 2015 Haltet die Augen auf, Wuppertal schläft nie! Solidarität mit dem G7 Protesten
13. Juni 2015  Demo gegen rechte Gewalt in Wuppertal  
18. Juni 2015 19:00 Uhr Info-Veranstaltung – Repression in Spanien: No a la ley Mordaza im Café Stil Bruch Marienstraße 58 in Wuppertal
Samstag 04. Juli ab 10:00 Uhr (Ende offen) und  Sonntag 05. Juli von 10:00 bis 18:00 Uhr
Was können wir aus der aktuellen Situation in Spanien lernen?
Café Stil Bruch Marienstraße 58, Wuppertal und OttoBöhnePlatz, Wuppertal 
Immer und überall: Antifa Arbeit jeglicher Art. Denn es bleibt dabei: No Nazis! No HoGeSa! No Pegida! 
Alerta! Alerta! Antifascista!
im Mai 2015, Eisbrecher Wuppertal 

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