#SOSKOBANE #Düsseldorf – Bundesweite Demonstration gegen die Mörderarmee der IS & ihre UnterstützerInnen & für #Kobanê

isdemoddorfAm 11. Oktober 2014 (Samstag) wird in Düsseldorf eine bundesweite Demonstration gegen die Mörderarmee der IS und ihre UnterstützerInnen und für #Kobanê stattfinden. 

Aus mehreren Städten Deutschlands werden von Vereinen der Föderation NAV-DEM (Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland, ehemals: YEK-KOM) Busse zur zentralen Demonstration organisiert. 

Mehr Informationen werden in den nächsten Tagen folgen.

Vorlagen für Plakate und Transparente: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.783411091700080.1073741835.754274571280399&type=1

 

 

Wir Re-Bloggen hier ein Artikel vom Solikomitee Wuppertal was am 25. September auf ihr Blog veröffentlicht wurde.

Irgendwie setzt sich der Eindruck fest, dass kaum wer von den Entwicklungen rund um die kurdische Stadt Kobane Notiz nimmt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass immer noch viele nicht genug wissen um die Nachrichten einordnen zu können – abgesehen davon, dass manche vor antiim­pe­ria­lis­ti­schen Brettern vorm Kopf einfach keine klare Sicht haben (ihr glaubt nicht was für volli­di­tiosche E-Mails mir ins Postfach rauschen…). Wenn ich damit jemandem jetzt Unrecht tue, bitte ich um Entschuldigung.

Also, kurze Infos zur Lage:

Seit mehreren Tagen (seit dem 15.09.) läuft im «Herzen von Rojava», rund um die 500.000 Einwohner*innen-Stadt Kobane, eine Großoffensive der ISIL. Gehört hat mensch hier in der Regel nur von den «Flüchtlingsströmen», die in der letzten Zeit die Grenze zur Türkei überquert haben.

Die Richtung der Flüchtlingsbewegung ergibt sich aus der Tatsache, dass Kobane als Zentrum der Selbstverteidigungskräfte der YPG gleich­zeitig von Westen, Osten und Süden angegriffen wird. So steht den Menschen nur der Nordweg (in Richtung türkische Grenze) offen.

kobanedemoddorfDie Kräfte der YPG kämpfen mit Handfeuerwaffen und Kalashnikovs gegen schwere Waffen der ISIL. Diese verfügen u.a. angeblich über 50 erbeutete US-Panzer, mit denen sie die Guerilla-Stellungen beschießen. Seit Dienstagabend scheint der Belagerungsring um Kobane so gut wie geschlossen, die ISIL soll laut einigen Meldungen bis auf zwei Kilometer an die Stadt heran­ge­rückt sein. Andere Meldungen geben den Bewohner*innen der Stadt (noch etwa 200.000, nicht nur Kurd*innen, auch Araber*innen und Geflüchtete) noch einen Puffer von sechs Kilometern. In jedem Fall scheint ISIL mittler­weile 75% der Region zu kontrol­lieren. Die Hilferufe von dort in den sozialen Medien klingen mehr als verzweifelt. Die ISIL hat für den Fall der Einnahme der Stadt bereits Massentötungen angekündigt und führt diese in den schon eroberten Dörfern rund um Kobane an den dort verblie­benen Menschen auch bereits aus.

In den Medien erfährt man vom angekün­digten Völkermord in Kobané so gut wie nichts. Warum ist das so?

Eine mögliche Antwort ist, dass Kobane das Herz von Rojava ist, und Rojava (der syrische Teil Kurdistans) von linken Kräften verwaltet wird, während die ebenfalls durch ISIL gefähr­deten Gebiete im Nordirak, die von Barzani regiert werden, mit der NATO und der Türkei engstens zusam­men­ar­beiten. Tatsächlich handelt es sich bei dem weitest­gehend basis­de­mo­kra­tisch verwal­teten, multi­eth­ni­schen und multi­re­li­giösen Rojava um eines der wenigen Verwaltungsgebiete weltweit, mit dem staats­ferne Linke Sympathien verbinden können. Sowohl die PYD als auch die PKK haben offiziell das Konzept «Staat» zu den Akten gelegt. Das soll nicht heißen, dass Öcalan jetzt ein Autonomer ist, aber trotzdem wird das Leben in Rojava eher lokal und dezentral organi­siert. Mit diesen Strukturen schafften es die Menschen der Gegend bislang, im syrischen Bürgerkrieg und gegen die radikal-islamistischen Gruppen stand­zu­halten. Wenn die westlichen Medien über die drama­tische Lage des Gebietes nichts berichten, liegt das sicher auch im Interesse der Türkei, die ein selbst­ver­wal­tetes, linkes kurdi­sches Projekt Rojava wesentlich mehr fürchtet als die nordira­kische Autonomieregion unter Barzani, mit der die AKP-Regierung in vielen Bereichen zusam­men­ar­beitet – vor allem auch gegen die PKK.

Bis heute gibt es auch immer wieder Berichte über perso­nelle und logis­tische Unterstützung der Türkei für ISIL. Hinzu kommt, dass die Türkei die Grenze nach Kobane nach Gutdünken schließt und öffnet. Für Flüchtlinge ist sie zwar meist offen, kurdische Kämpfer*innen in Gegenrichtung werden teils mit Waffengewalt am Grenzübertritt gehindert. Manche sprechen auch von einem Deal der Türkei «Geiseln gegen Kobane» (bezüglich der vom IS freige­las­senen türki­schen Geiseln).

Es sollen doch Waffen an «die Kurden» geliefert werden. Warum ist deren Lage trotzdem so verzweifelt?

Weil die Aussage schlicht falsch ist. Waffenlieferungen gab es nur an die Peschmerga, und die Peschmerga sind Barzanis Armee im Nordirak. Während die Guerilla der YPG nach dem Fall Mosuls den Peschmerga von Syrien aus sehr schnell zur Hilfe eilte, ist jetzt aller­dings von einer Unterstützung Rojavas durch die Peschmerga nichts bekannt geworden. Mehr noch: Die Peschmerga haben sich dem Westen gegenüber verpflichtet, gelie­ferte Waffen keines­falls an die PKK oder die YPG weiter­zu­reichen. Das versteht die Bundesregierung unter anderem unter «Zuverlässigkeit». Die YPG Kämpfer*innen haben inzwi­schen nicht einmal mehr Munition für ihre Kalashnikovs. Es mangelt ihnen an allem.

Die Amis führen doch jetzt Luftschläge aus. Wird das ISIL nicht aufhalten?

Nein. Bisher nicht. Die Luftschläge der «Koalition» haben in den letzten Tagen die ISIL haupt­sächlich aus Raqqa vertrieben und bei den ISIL-Kämpfern eine Bewegung in den Norden Syriens ausgelöst. Und das ist da, wo Kobane liegt. Die Front um Kobane blieb weitgehend ohne Unterstützung. Insgesamt sind die Operationen für Kobane bisher eher kontra­pro­duktiv. Die «Koalition» bombar­diert lieber Ölfelder, die unter Kontrolle der ISIL sind, als die Angreifer der Stadt Kobane. Meinungen, nach denen die ISIL-Truppen lediglich versuchen, sich vor den US-amerikanischen Luftangriffen in der Türkei in Sicherheit zu bringen, erscheinen unsinnig. Die Medien der ISIL lassen diesen Schluss nicht zu, auch der Belagerungsring um Kobane spricht dagegen. Solche Aussagen sind daher eher den von der vorgeb­lichen militä­ri­schen Stärke begeis­terten USA-Fans zuzuschreiben.

Ist das also doch imperia­lis­tische Kackscheiße?

Ja klar doch. Ohne einen antiim­pe­ria­lis­ti­schen Ansatz lassen sich die Gesamtentwicklungen in der Region nicht verstehen. Vor allem das Erstarken der ISIL-Terrorgruppen und deren Rolle im syrischen Bürgerkrieg ist etwas, das auch auf die Kappe der üblichen Verdächtigen geht. Andererseits: Ist die Ursachenforschung derzeit die dring­lichste Aufgabe? Spielt das in dem Moment wirklich eine große Rolle, in dem sich die Dinge ganz offen­sichtlich verselbst­ständigt haben und die Auslöschung eines linken Experiments und von zehntau­senden Menschen bevor­zu­stehen scheint? So, wie die Sache aussieht, werden die Kurd*innen ISIL wahrscheinlich nur aus Kobane heraus­halten können, wenn sie effektiv unter­stützt werden. Und da wir keine inter­na­tio­nalen Brigaden auf die Füße bekommen, bleiben offen­sichtlich nur die US-Amerikaner als militä­rische Hoffnung. Bisher verhallten alle Appelle nach Unterstützung der Guerilla jedoch ungehört. Wenn die «Imperialisten» nicht helfen, wird das dann eine wahrhaft imperia­lis­tische (Nicht-) Handlung sein, die den türki­schen Mittelmacht-Interessen dient. Alles scheiße kompli­ziert eben.

Was tun?
Mist. Wir können eigentlich gar nix tun. Nur in Gedanken bei den Menschen in Rojava sein, die um ihr Leben fürchten.

Aber: Interessiert euch! Bildet euch! Haltet euch auf dem Laufenden! Unter dem Hashtag «#Kobane» bekommt ihr bei Twitter das meiste mit – dort wird auch englisch gepostet, und zwar haupt­sächlich von kurdi­scher Seite. Die ISIL-Ärsche und ihre Fans nutzen für den Kampf um Kobane eigene Hashtags.

Weitere Infos:
roarmag.org/2014/09/kobane-rojava-is-turkey
civaka-azad.org/ein-abgekartetes-spiel-mit-der-tuerkei
facebook.com/perspektivekurdistan

P.S. Es ist eigentlich zusammen mit dem so_ko_wpt eine Infoveranstaltung zu Rojava und zum Kampf gegen ISIL in Vorbereitung. Gedacht war daran, soetwas für Mitte Oktober zu organi­sieren. Derzeit sieht es aber so aus, als käme sie zu spät – traurig aber wahr. (Die Veranstaltung wird aber am 19. Oktober statt finden. Mehr Infos unten)

Update (25.09., am Nachmittag):

Nachdem es in der gestrigen Nacht ganz schlimm aussah und die Eroberung Kobanes durch ISIL ausge­machte Sache schien, gab es im Laufe des heutigen Tages die erfreu­liche Nachricht, dass die YPG-Kämpfer*innen den von Süden vorge­tra­genen Angriff der ISIL zunächst zurück­schlagen konnten. Die Angriffe der ISIL setzen sich den Tag über fort.

Dabei soll es in der späten Nacht auch tatsächlich zu Unterstützung aus der Luft gekommen sein, laut Pressemitteilung des YPG-Sprechers aller­dings «sehr spät» und auch «nicht ausrei­chend». Während sich die deutsche Verteidigungs-Uschi zusammen mit Barzani in Erbil für die Unterstützung der Peschmerga feiern lässt, fehlen der YPG noch immer schwere Waffen zur Verteidigung. Die Munition wird immer knapper. Die Lage bleibt unver­mindert dramatisch.

Peschmerga und im Irak befind­liche PKK-Truppen haben mittler­weile verlauten lassen, dass sie nicht zu Hilfe kommen können, weil ihnen der Weg nach Kobane abgeschnitten ist. Die YPG fordert die Peschmerga verzweifelt auf, ihr Waffen zur Verfügung zu stellen.

Die Aufmerksamkeit in Deutschland wächst langsam. Für Samstag wird zu einer landes­weiten Kundgebung für Kobane/Rojava in Düsseldorf aufgerufen.

Update (02.10., am Nachmittag): Kobane vor dem Fall

Vor einer Woche konnte noch gehofft werden, dass die Untätigkeit der «Koalition» auf einer mangelnden Kenntnis beruhen könnte. Das ist inzwi­schen Geschichte – die Lage in und um Kobane hat die Weltöffentlichkeit erreicht, die Medien berichten ausführlich über die drama­tische Situation. Heute, am 2.Oktober, muss deshalb festge­stellt werden, dass die sich selbst als «freie Welt» titulie­renden Länder taten- und gnadenlos in eben jenen Medien einfach zusehen, wie die Verteidiger*innen einer antipa­tria­chalen, multi­eth­nisch und multi­re­li­giösen Gemeinschaft im Dauerbeschuss der Angreifer verbluten.

Die Selbstverteidigungskräfte der YPG haben sieben weitere Tage mit völlig unter­le­genen Mitteln stand­ge­halten. Seit einigen Tagen liegt Kobane unter schwerem Artilleriebeschuss, gegen den sich die Belagerten nur durch Selbstmordkommandos wehren können, die einzelne Panzer der IS-Milizen ausschalten. Die immer wieder herbei­ge­re­deten Luftschläge der «Koalition» gegen den IS haben zu keiner Zeit wirklich statt­ge­funden. Auch eine Bewaffnung der kurdi­schen Verteidiger*innen gab es nicht. Lediglich eine einzelne moderne «Milan»-Panzerabwehrwaffe konnte offenbar in die Stadt gebracht werden.

Seit gestern versucht die YPG die Zivilisten aus der Stadt in Sicherheit zu bringen, nachdem das letzte Dorf vor Kobane in die Hand der ISIL gefallen ist. Berichten zufolge sollen 80% der zivilen Bevölkerung rausge­kommen sein und nun in der Geröllwüste vor der türki­schen Grenze auf eine Einreiseerlaubnis in die Türkei warten. Die in der Stadt verblie­benen Kämpfer*innen bereiten sich auf einen Straßenkampf «bis zur letzten Kugel» vor. Seit 14:00 Uhr werden Meldungen verbreitet, Kobane sei gefallen. Sie sind noch unbestätigt.

Die Türkei hat in den letzten Tagen massiv Truppen und Panzer an die syrische Grenze bei Kobane verlegt. Heute soll das türkische Parlament über den Einsatz von Bodentruppen entscheiden, die in Rojava entlang der Grenze eine «Pufferzone» errichten sollen. Wie nicht anders zu erwarten, wird dies erst geschehen, wenn die kurdische Selbstverteidigung aufge­rieben wurde. Um diesen Prozess zu beschleu­nigen, hat die Türkei spätestens gestern ihre Grenze für IS-Kämpfer geöffnet, die von der Türkei aus nach Kobane wollen.

Unterdessen hat der inhaf­tierte PKK-Führer Abdullah Öcalan verlauten lassen, dass der Friedensprozess zwischen der türki­schen Regierung und der PKKdefinitiv beendet sei, wenn in Kobane ein Massaker geschehe. Im kurdi­schen Amed kam es aus Solidarität mit den Belagerten in Rojava heute zu einem Generalstreik, der von Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und «Sicherheitskräften» überschattet wird.

Am 11. Oktober 2014 (Samstag) wird in Düsseldorf eine bundesweite Demonstration gegen die Mörderarmee der IS & ihre UnterstützerInnen & für #Kobanê stattfinden.  Mehr Informationen werden in den nächsten Tagen folgen.

 

 

19.10_hayatSoli-Komitee Wuppertal: Infoveranstaltung am 19. Oktober

Am 19. Oktober wird es eine Info-Veranstaltung zu Rojava/Kobane im Hayat (Schreinerstraße 26, Wuppertal) geben. 

Die Ereignisse im syrischen Teil Kurdistans (Rojava) haben sich in den letzten Wochen drama­tisch zugespitzt. Seit dem 15.09. wird die Stadt Kobane von drei Seiten durch Einheiten des IS belagert. Der Belagerungsring um die Stadt zieht sich von Süden, Westen und Osten immer weiter zu. Im Norden befindet sich die Grenze zur Türkei, die teilweise Flüchtende auf ihr Territorium lässt, Menschen, die den Belagerten in Kobane zu Hilfe kommen wollen, jedoch am Grenzübertritt zu hindern versucht. Kämpfer des IS können die syrisch-türkische Grenze mehreren Medienberichten zufolge anderer­seits ungehindert passieren.

Die IS-Milizen kämpfen mit schweren Waffen, mit denen sie immer wieder in die Stadt hinein­feuern. Ihnen stehen nur unzurei­chend bewaffnete Kämper*innen der PKK-nahen YPG Selbstverteidigung gegenüber. Dringend erbetene militä­rische Hilfe durch die us-amerikanisch angeführte «Koalition» gegen den IS bleibt jedoch bis heute aus, ebenso wie Waffenlieferungen. Ob die Stadt zum Zeitpunkt der Informationsveranstaltung durch die Selbstverteidigung gehalten werden konnte, erscheint aus heutiger Sicht mehr als unsicher.

In Rojava steht jedoch nicht nur das Leben zehntau­sender Menschen auf dem Spiel. Es geht auch um einen Krieg gegen ein emanzip­to­ri­sches politi­sches Projekt im Mittleren Osten. An seinem Ende ist eine Vielzahl von Akteuren inter­es­siert, allen voran die Türkei, die ein antipa­tria­chales, antika­pi­ta­lis­ti­sches und weitgehend basis­de­mo­kra­tisch selbst­ver­wal­tetes kurdi­sches Gebiet an ihrer südlichen Grenze nicht dulden will. Die Unterstützung der IS-Milizen durch die türkische Regierung ist offen­kundig, und viele sehen in der von der Türkei gewollten «Pufferzone» nichts anderes als den Versuch, Rojava militä­risch zu besetzen.

Die Informationen zur Politik der kurdi­schen Selbstverwaltung sind in Deutschland auch in linken Kreisen jedoch spärlich, wie insgesamt das Wissen um den Konflikt in und um Kurdistan gering ist. Die hierzu­lande geübte Solidarität steht bislang in einem krassen Missverhältnis zur Dramatik der Situation in und um Kobane. Mit diesem Informationsabend wollen wir ein wenig Abhilfe schaffen und über aktuelle politische und (…leider auch…) militä­rische Entwicklungen sprechen. Hierzu haben wir kompe­tente Gäste einge­laden, u.a. den Politikwissenschaftler, Aktivisten und freien Autor Ismail Küpeli, sowie Aktivist*innen der kurdi­schen Bewegung.

Wir werden versuchen, die jeweils aktuellen Entwicklungen in die Programmatik der Veranstaltung einzu­be­ziehen. Achtet deshalb auf kurzfristige Updates.

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