#Ukraine Demo in #Wuppertal: Redebeitrag auf dem Otto Böhne Platz

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Wir stehen hier auf den Otto Böhne Platz. 2 Tage nach dem 8. Mai, Befreiungstag möchte ich gerne was über diesen Widerstandskämpfer erzählen. Ich lese jetzt was vor aus einem Text der auf gedenkbuch-wuppertal.de zu finden ist. Otto Böhne wurde am 4.12.1897 in Wuppertal Elberfeld geboren. Am 25. Februar dieses Jahres jährte sich zum 80.Mal der Tod des Wuppertaler Widerstandskämpfers Otto Böhne und an dem Tag wurde eine Gedenkplatte auf diesen Platz enthült. Er starb im Krankenhaus in Papenburg an den Folgen der grauenhaften Misshandlungen, die ihm im KZ Kemna und im KZ Börgermoor zugefügt wurden. Böhne wohnte in der Wirkerstrasse auf dem Elberfelder Ölberg. Er war Organisationsleiter und Stadtverordneter der KPD. Böhne lernte Schlosser und nahm als Soldat am 1. Weltkrieg teil. Nach dem Krieg kehrte Böhne nach Wuppertal zurück und arbeitete als Schlosser bei der Firma Quante. Er schloss sich in Elberfeld der KPD an und übernahm verschiedene Funktionen im Jugendverband und später in der Partei. Als Organisationssekretär war er verantwortlich u.a. für die Organisierung der großen Thälmann-Kundgebung im Juli 1932. Im März 1933 wird er noch als Vertreter der KPD in den Stadtrat gewählt. Otto Böhne wohnte mit seiner Frau und seiner Tochter hier auf dem Ölberg in der Wirkerstr. 37.

 

Otto Böhne geriet schnell in die Schusslinie der NS-Machthaber. Im April 1933 war er in Duisburg in Schutzhaft, wurde aber wieder nach Hause entlassen.

Im Juli 1933 wurde Böhne in seiner Wohnung nachts von SA Kommandant Alfred Hilgers und anderen SA-Männern überfallen und vor den Augen seiner 13jährigen Tochter misshandelt. Wenige Tage später brachte man Böhne in das Wuppertaler KZ Kemna. Hilgers wollte sich an ihm für einen Feuerüberfall auf einen SA-Zug in der Wirkerstraße (Elberfelder Nordstadt) am 26.Februar 1933 rächen. Die SA hatte sich übrigens während der Schießerei in Hauseingängen verkrochen. Böhne, der in der Wirkerstraße lebte, warf Hilgers vor, auf seine Mutter geschossen zu haben. Hilgers misshandelte Otto Böhne persönlich und sorgte dafür, dass die Wachmannschaft auch entsprechend vorging.

Im Lager und bei der SA war allgemein bekannt, dass Böhne zum Zeitpunkt der Schießerei nicht in Wuppertal, sondern an der KPD-Parteischule in Berlin war, selbst also auf keinen Fall geschossen hatte. Trotzdem arbeitete die SA zielstrebig auf seinen Tod hin. ScharführerHeinrich Weischet, Lagerinnendienst, untersagte mehrmals den Häftlingssanitätern Jung und Ferlemann ausdrücklich jede Hilfeleistung, obwohl Böhne nach einer Misshandlungstortur grüne Flüssigkeit aus dem Mund lief, was auf eine Verletzung der Galle hindeutet und er Blut im Urin hatte. Böhne durchlitt das ganze Repertoire an Grausamkeiten, dessen die SA fähig er. Er wurde tagelang im Aufzug gefangengehalten und trotz seiner erheblichen Körpergröße in einen Fabrikspind gepresst, so dass er tagelang nur gebückt laufen konnte.

In den letzten Tagen der Kemna, lange nach der Ablösung Hilgers, ist Otto Böhne endgültig zugrunde gerichtet worden, als er und etwa 12 andere Häftlinge gezwungen wurden eingedrungenes Grundwasser aus dem Zellentrakt des Neubaus abzuschöpfen. Die Arbeit hatte am 17. Januar morgens um 9 Uhr begonnen. Dabei mussten die Häftlinge die ganze Zeit über in dem etwa 75 cm hohen eiskalten Wasser stehen, was schon alleine zu einer schnellen Erschöpfung führte. Hier zeigt sich noch einmal eindeutig der Charakter der Arbeit in der Kemna als Terrorarbeit: das Wasser floss schneller nach als es abgeschöpft werden konnte – End- und Sinnlosigkeit, verbunden mit körperlicher Überbelastung und Untertechnisierung Blechbüchsen und Eimer.

Der Transport der letzten Kemna-Insassen ins Moor, stand unter dem Kommando von Maikranz. Wieder wurde Böhne besonders schikaniert, indem er an seinen Mithäftling Robert Brink gekettet wurde. Nach Brinks Aussage erhielt Böhne von Maikranz auf der Fahrt mehrere Stöße mit einem Gewehrkolben vor die Brust, von denen er sich nicht mehr erholte. Bei der Übergabe des Transports musste Maikranz auf Anweisung des Verantwortlichen des KZ’s Bögermoor die Handschellen abnehmen. Der inzwischen Betrunkene rief Brink und Böhne nach: „Verrecken müsst ihr doch, ihr Schweine“.

Am 25. Februar 1934, gut einen Monat nach der Schließung, erlag Böhne im Papenburger Krankenhaus seinen Verletzungen. Als offizielle Todesursache wurde eine „Lungen- und Rippenfellentzündung und Herzschwäche“ angegeben.

Otto Böhnes Leiche wurde nach Wuppertal überführt und zwei Tage in seiner Wohnung in der Wirkerstrasse aufgebahrt. Seine GenossInnen organisierten eine Totenwache und seine Beerdigung auf dem Kommunalfriedhof in Ronsdorf wurde noch mal zu einer antifaschistischen Demonstration.

Otto Böhne ist nur eine der Widerstandskämpfers auf dem Ölber gewesen. Ein weitere Genosse der von das Nazi-Regime ermordet wurde war der Anarcho-Syndikalist Hermann Steinacker. Die AnarchistInnen trafen sich früher in der Kneipe hier auf der Ecke am Otto-Böhneplatz, da wo jetzt das Café Stilbruch ist. Ich lese jetzt was vor aus einem Text von Dieter Nelles.

Steinacker schloss sich während des Sozialistengesetzes der SPD an. Später wurde er Anarchist. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges saß er als Kriegsgegner bis März 1916 ohne Gerichtsverfahren in Schutzhaft. Bis 1933 war Steinacker einer der führenden Funktionäre der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter Union Deutschlands (FAUD). Er organisierte nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die illegale Arbeit der FAUD und hielt die überregionalen Kontakte zu FAUD-Genossen, die im Rheinland eine Fluchthilfeorganisation nach den Niederlande aufgebaut hatten. Im Oktober 1934 wurde er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr und neun Monaten Haft verurteilt, die er im Zuchthaus Lüttringhausen absaß. Unmittelbar nach seiner Entlassung nahm er die illegale Arbeit wieder auf und sammelte nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs Solidaritätsgelder für die spanischen Genossen. Am 19. Januar 1937 wurde er erneut verhaftet und zu einer Zuchthausstrafe von 12 Jahren verurteilt. Im Januar 1944 deportierten die Justizbehörden Steinacker in das KZ Mauthausen, wo er am 14. April 1944 ermordet wurde.

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