„Recht auf Stadt“ Kämpfe verknüpfen: Heraus zum Autonomen 1. Mai in Wuppertal

 

Transpi am 13. April, 2014 an einer Brücke in Wuppertal.

Transpi am 13. April 2014 an einer Brücke in Wuppertal. Ein Bild das während der Kampagne „AZ Bleibt an der Gathe!“ vermutlich öfter zu sehen sein wird.

 Die Vorabenddemo am 30. April und  die  Autonome 1. Mai Demo in  Wuppertal sind neben vielen  anderen Themen, für die  wir auf  die  Straße gehen, auch der Auftakt der  „AZ Bleibt an der Gathe!“    Kampagne.  Neben der Kampagne       für das Autonome Zentrum gibt es  auch noch  andere  „Recht auf Stadt“ Kämpfe in  Wuppertal. Wenn wir eine schlagkräftige „Recht auf Stadt“ Plattform entwickeln und die verschiedenen Kämpfe in der Stadt miteinander verknüpfen können, dürften die Erfolgschancen für jeden einzelnen dieser Kämpfe deutlich steigen. Also, „Döpps 105“ meets AZ?

 

 

Die Demonstration am 12. April.

Die Demonstration „gegen die fortgesetzte Ignoranz der Stadtspitze und für mehr Beteiligung der Menschen in Wuppertal!“ am 12. April.

Nachdem der Stadtrat Anfang der Woche während einer Ratssitzung entschied 13.000    Unterschriften für ein Bürgerbegehren für die Kostendeckelung vom Bauprojekt Döppersberg  zu ignorieren, gab es am Samstag, den 12. April  eine kleine Demonstration    „gegen die fortgesetzte Ignoranz der Stadtspitze und für mehr Beteiligung der Menschen in  Wuppertal!“  in der Elberfelder Innenstadt. Die TeilnehmerInnen kamen aus verschiedenen  aktiven Wuppertaler Gruppen: wie z.B.  die  Bürgerinitiative „Döpps 105„, die Initiative für das  Schauspielhaus,  das Soli-Komitee Wuppertal, die Initiative die sich mit den Ikea Plänen in der  Stadt beschäftigt, einige AktivistInnen aus dem AZ und anderen. Eine  bunte Mischung von Menschen aus der bürgerlichen Mitte bis hin zum linksradikalen Spektrum die gemeinsam auf die Straße  gingen. Auch  radikalere Redebeiträge fanden viel Beifall, so wurde von jemandem vom  Soli-Komitee  aufgerufen eine „Recht auf Stadt“ Plattform zu gründen und alle Anwesenden  wurden zu der  Veranstaltung „Die Stadt als Beute“ eingeladen, die am 16. April in der Alten Feuerwache  stattfindet. Sie wird  gemeinsam von der Initiative „Döpps 105“ und dem Soli-Komitee organisiert. Eine Gruppe  jüngerer AktivistInnen bekamen viel Zustimmung als sie Parolen wie  „Döppersberg kostet  viele Millionen, gebt’s den Menschen die hier wohnen!“ skandierten. Ja, es war eine sehr kleine  Demonstration, dennoch war es genau die bunte Mischung die eine breit aufgestellte „Recht auf  Stadt“ Plattform braucht.

MieterInnen-Kämpfe gegen Privatisierungen und steigende Mieten, die Mehrkosten für das  Bauprojekt am  Döppersberg, die  Situation rundum das vor sich hin rottende    Schauspielhaus, welches von der  Stadtspitze wegsaniert wurde, die eventuelle Ausbreitung  der City-Arkaden, aber auch der Druck auf das AZ, das für einen Neubau weichen soll, sind Kämpfe, die sich verknüpfen lassen. Alle Kämpfe könnten durch gegenseitige Unterstützung an Kraft gewinnen. Nur sämtliche  InvestorInnen und eine Stadtspitze die sich eher für InvestorInnen als für EinwohnerInnen der  Stadt interessiert, können dabei verlieren.

Es gibt in Wuppertal keine Gentrifizierungsprozesse in der Größenordnung wie z.B. in Düsseldorf, aber auch hier wird die Stadt von vielen Entscheidungsträgern wie ein Objekt zur Gewinnmaximierung behandelt und auch hier bleiben immer mehr Menschen auf der Strecke. Es wird Geld für Großprojekte wie den Döppersberg ausgegeben. Die Mehrkosten, die dabei entstehen werden zwangsläufig die nächste Runde von Kürzungen nach sich ziehen, da die Stadt Wuppertal nach wie vor pleite ist. Immer mehr Mietswohnungen werden privatisiert und dienen als Kapitalanlage. Die u.a. dadurch steigenden Mieten verdrängen auch hier immer mehr Menschen  aus dem Stadtzentrum.

Die Demonstration "gegen die fortgesetzte Ignoranz der Stadtspitze und für mehr Beteiligung der Menschen in Wuppertal!" am 12. April.

Die Demonstration „gegen die fortgesetzte Ignoranz der Stadtspitze und für mehr Beteiligung der Menschen in Wuppertal!“ am 12. April.

„Döpps 105“ meets AZ

In der kurzen Einleitung und im Titel thematisierten wir schon die Autonome 1. Mai Demo und die am 30. April stattfindende Vorabend Nachttanz Demo. Es ist der Auftakt für die „AZ Bleibt an der Gathe!“ Kampagne, denn durch Neubaupläne der DITIB  ist das Fortbestehen des Autonomen Zentrums (AZ) an der Gathe bedroht. Das AZ ist ein selbstverwaltetes Zentrum. Es ist ein Raum, in dem Menschen sich nach ihren Interessen organisieren können. So entstehen verschiedene Gruppen, die mal für kurze Zeit, mal über Jahre hinweg, nach ihren Ideen zusammenarbeiten. Was dort passiert, entscheiden diejenigen die sich dort engagieren. Wichtig ist, dass es ein nicht-kommerzieller Raum ist; die Gruppen können die Räume des AZs also nutzen, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. 

Letztes Jahr feierte das AZ sein 40-jähriges Bestehen. Seit dem Jahr 2000 befindet sich das AZ im Gebäude in der Markomannenstraße 3, direkt an der Gathe. Es wurde in den 80-er Jahren hart erkämpft, teilweise auch mit militanten Mitteln. Auch die Gebäude, in denen sich das AZ früher befand, lagen immer in der Elberfelder Nordstadt. Die Menschen dort kennen das Autonome Zentrum und viele schätzen es auch.

Die heiße Mobilisierungsphase für die Autonome 1. Mai Demo hat angefangen.

Die heiße Mobilisierungsphase für die Autonome 1. Mai Demo hat begonnen. Ein Plakat in der Elberfelder Nordstadt.

Das regelmäßig stattfindende Sperrmüllfest, die jeden Mittwoch  stattfindende VoKü, wo Menschen gegen eine Spende eine gut  schmeckende Mahlzeit geniessen können, sind nur einige der  Aktivitäten des selbstverwalteten Zentrums. Das AZ spielt eine  wichtige Rolle bei vielen Auseinandersetzungen in der Stadt. Ohne das AZ wäre z.B. der massenhafte Widerstand gegen die  Naziaufmärsche in den letzten Jahren in Wuppertal schlicht nicht  denkbar gewesen. Zudem sind es die Strukturen aus dem  Autonomen Zentrum, die maßgeblich mit dafür sorgen, dass der  alltägliche Kampf gegen die Nazis kontinuierlich weiter geführt  wird. Auch spielt das AZ immer wieder eine Rolle in der  Organisation des Widerstands gegen sozialen Kahlschlag und  beschäftigt sich mit anderen politischen Auseinandersetzungen.

Schon lange, bevor die Initiative „Döpps 105“ entstand, engagierten sich Menschen gegen das geldfressende Projekt „Döppersberg“. Dies wurde vom damaligen Aktionsbündnis Basta vorangetrieben, in dem auch das Autonome Zentrum vertreten war.

Jetzt rückt das AZ selbst in den Fokus der urbanen Auseinandersetzungen in Wuppertal. Es soll für ein islamisches Zentrum weichen, obwohl dieses auch neben dem AZ gebaut werden könnte und die beiden Zentren nebeneinander existieren könnten. Die Stadt hat zwar verlauten lassen, dass das Autonome Zentrum möglicherweise „nur“ umziehen soll, aber es ist völlig unklar wohin, denn in der Elberfelder Nordstadt sind schlichtweg keine verfügbaren, angemessenen Gebäude. Es gibt bis jetzt auch kein konkretes Angebot seitens der Stadt. Das Einzige was immer konkreter wird, ist die Eckrandbebauung der Markomannenstraße und Gathe wo jetzt das AZ steht. Denn auch diese Ecke der Stadt soll aufgewertet werden. Außerdem ist davon auszugehen, dass es in der Stadtspitze Kräfte gibt, die diese Gelegenheit nutzen wollen das Autonome Zentrum ein für alle mal los zu werden.

Transpi von einer früheren Autonomen 1. Mai Demonstration: "Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!"

Transpi von einer früheren Autonomen 1. Mai Demonstration: „Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!“

Es ist höchste Zeit all diese „Recht auf Stadt“ Kämpfe zu verknüpfen.Die vielen AktivistInnen in den diversen, oben genannten und weiteren Gruppen sind vielleicht sehr unterschiedlich und haben über viele Themen verschiedene Meinungen, aber es gibt durchaus auch Punkte die sie vereinen: sie wehren sich alle gegen eine auf Profitmaximierung ausgerichtete Stadtpolitik, die sich überhaupt nicht mehr an den Menschen die hier leben orientiert. Die Verschiedenheit der diversen Menschen und Gruppen kann auch ihre Stärke sein: Vielfalt! Die vielen Widerstandsformen können sich gut ergänzen und eine „Recht auf Stadt“ Plattform könnte als Bündnis gemeinsame Kampagnen planen und durchführen. Dies würde die Stadtspitze erheblich mehr unter Druck setzen und die Erfolgsaussichten auf eine Stadt für alle deutlich steigern.

Die Stadt gehört uns allen!  

Heraus zum Autonomen 1. Mai!

 

Termine:

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Die Stadt als Beute: Mittwoch, 16. April, 19 Uhr, Wagenhalle in der Alten Feuerwache, Gathe, Wuppertal-Elberfeld.
 Eintritt frei (Spenden sind  willkommen…)

Veranstaltung mit Knut Unger, Aktivist des «Europäischen Aktionsbündnisses für das Recht auf Wohnen und die Stadt»,  MieterInnenverein Witten

Vorabend Nachttanzdemo:  Mittwoch, 30. April, 19 Uhr, Deweert’scher Garten, Wuppertal-Elberfeld

Autonome 1. Mai Demo: Donnerstag, 1. Mai, 18:00 Uhr, Gathe/Höhe AZ, Wuppertal-Elberfeld

 

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